Taurin für Katzen: Warum es lebenswichtig ist – und wie du den Bedarf deckst

Taurin ist eine der wenigen Substanzen bei denen ein Mangel deine Katze blind oder herzkrank machen kann – und das oft ohne sichtbare Warnsignale über Monate hinweg. Ich erkläre dir warum Katzen auf Taurin angewiesen sind wie kaum ein anderes Tier, welche Symptome auf einen Mangel hindeuten – und wie du sicherstellst dass deine Katze täglich ausreichend versorgt ist.
Was ist Taurin – und warum ist es für Katzen so besonders?
Taurin ist eine Aminosäure die im Körper deiner Katze eine außergewöhnliche Rolle spielt – sie wird nicht zum Aufbau von Proteinen genutzt, sondern erfüllt als freie Aminosäure lebenswichtige Funktionen in fast allen Organen. Der Name kommt übrigens vom lateinischen „taurus“ – Stier – weil Taurin 1827 erstmals aus der Rindergalle isoliert wurde.
Katzen können Taurin nicht selbst herstellen
Die dafür notwendigen Enzyme sind bei Katzen kaum aktiv – sie sind auf die tägliche Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Dazu kommt ein oft unterschätzter Faktor:
Bis zu 50 % des über die Nahrung aufgenommenen Taurins wird im Katzendarm durch Bakterien abgebaut – bevor es überhaupt im Körper ankommt. Was du fütterst, kommt also nur zur Hälfte an.
Für Wildkatzen war das nie ein Problem – Mäuse sind außerordentlich reich an Taurin und standen täglich auf dem Speiseplan. Für Wohnungskatzen die auf verarbeitetes Futter angewiesen sind, ist eine bewusste Versorgung dagegen unverzichtbar.
Wofür braucht die Katze Taurin? Die 5 wichtigsten Funktionen
Taurin ist kein Nice-to-have – es ist an grundlegenden Körperfunktionen beteiligt:

Taurinmangel bei Katzen: Symptome die du kennen solltest
Ein Taurinmangel ist tückisch – die meisten Katzen zeigen monatelang oder jahrelang keine sichtbaren Symptome, obwohl bereits ein Defizit besteht. Wenn Anzeichen sichtbar werden, sind die Schäden oft bereits irreversibel.
Retina-Degeneration – wenn Katzen erblinden
Die häufigste und bekannteste Folge eines Taurinmangels ist die zentrale Retina-Degeneration – eine Erkrankung der Netzhaut die zunächst das zentrale Sehfeld angreift und schließlich zur vollständigen Erblindung führen kann. Die Schäden sind nicht rückgängig zu machen.
Erste Anzeichen bemerkst du oft daran, dass sich deine Katze bei Sprüngen verschätzt oder häufiger gegen Gegenstände stößt – besonders bei schlechten Lichtverhältnissen. Bis diese Symptome auftreten, können 5 Monate bis 2 Jahre vergehen.
Dilatative Kardiomyopathie (DCM)
Taurinmangel ist eine bekannte Ursache für DCM – eine Herzmuskelerkrankung bei der sich der Herzmuskel krankhaft dehnt und die Pumpleistung des Herzens nachlässt. Die gute Nachricht: Bei rechtzeitiger Diagnose und Umstellung auf taurinreiches Futter kann sich das Herz in vielen Fällen erholen.
Historischer Hintergrund: In den 1980er Jahren traten bei Wohnungskatzen gehäuft DCM-Fälle auf. Wissenschaftler erkannten den Zusammenhang mit taurinarmen Fertigfuttern – seitdem ist Taurin in kommerziellem Katzenfutter Pflicht. Ein wichtiges Beispiel dafür wie Ernährungsforschung das Leben von Katzen verändert hat.
Weitere Symptome
- Unfruchtbarkeit bei Kätzinnen
- Totgeburten oder unterentwickelte Welpen
- Verzögertes Wachstum bei Kitten
- Taubheit
- Geschwächtes Immunsystem
⚠️ Achtung: Viele Katzen zeigen trotz bestehendem Taurinmangel keinerlei Symptome – ihre Lebenserwartung ist aber deutlich geringer als bei ausreichend versorgten Tieren. Warte also nicht auf Symptome.
Wie viel Taurin braucht eine Katze? Tagesbedarf und Richtwerte
ca. 200–500 mg Taurin
- Nassfutter: mindestens 2.000 mg/kg (bezogen auf Trockenmasse)
- Trockenfutter: mindestens 1.000 mg/kg (bezogen auf Trockenmasse)
- Erhöhter Bedarf bei: Kitten, trächtigen Katzen, älteren Katzen
Der Bedarf variiert je nach Gewicht, Alter und Fütterungsart. Ein wichtiger Faktor der oft übersehen wird: Taurin ist im Katzenfutter nicht deklarationspflichtig. Viele Hersteller müssen den genauen Gehalt also gar nicht angeben – was die Bewertung eines Futters erheblich erschwert.
Als zuverlässigen Anhaltspunkt nutze ich stattdessen den Fleischanteil: Je höher und hochwertiger der Fleischanteil – vor allem mit Innereien wie Herz und Leber – desto mehr natürliches Taurin ist im Futter enthalten. Das ist auch der Grund warum ich in meinem Katzenfutter-Test auf hohen Fleischanteil als Hauptkriterium setze.
Wo steckt Taurin drin? Die besten natürlichen Quellen

Taurin kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor – Pflanzen enthalten kein Taurin. Die reichsten natürlichen Quellen für Katzen:
|
Quelle |
Tauringehalt |
|---|---|
|
Maus (zum Vergleich) |
140-270 mg |
|
Lachsfilet |
130 mg |
|
Hühnerherzen |
118 mg |
|
Hühnerleber |
118 mg |
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Putenbrust |
93 mg |
|
Thunfisch |
70 mg |
|
Kalbfleisch (Muskelfleisch) |
40 mg |
|
Rindfleisch (Muskelfleisch) |
36 mg |
|
Hühnerfleisch |
15-33 mg |
Die Maus ist das Landlebewesen mit der höchsten Taurinkonzentration – vermutlich der Grund dafür dass Katzen im Laufe der Evolution kaum Taurin selbst synthetisieren: Mit der Maus als täglichem Beutetier hatten sie es schlicht nicht nötig
Taurin kommt übrigens nicht in Pflanzen vor – mit einer Ausnahme: Die Kaktusfeige enthält geringe Mengen Taurin, ist aber als Futterquelle für Katzen natürlich nicht relevant.
Wichtiger Hinweis zur Verarbeitung: Taurin ist hitzeempfindlich. Beim Kochen und industriellen Verarbeiten von Futter geht ein Teil des natürlichen Taurins verloren – weshalb viele Hersteller synthetisches Taurin nachträglich zusetzen. Über die Verwertbarkeit von synthetischem gegenüber natürlichem Taurin gibt es bislang keine verlässlichen Studien. Ein weiterer Grund warum hochwertiges Fleischfutter mit hohem Innereienanteil die bessere Wahl ist.
Taurin im Katzenfutter – was du wissen musst
Seit den 1980ern ist Taurin in kommerziellem Katzenfutter Pflicht – theoretisch sollte also jedes Alleinfuttermittel ausreichend Taurin enthalten. In der Praxis gibt es aber wichtige Unterschiede:
Nassfutter vs. Trockenfutter: Trockenfutter enthält weniger natürliches Taurin – zum einen weil beim Extrusionsverfahren (starke Hitze und Druck) Taurin zerstört wird, zum anderen weil Trockenfutter generell weniger Fleisch und mehr pflanzliche Füllstoffe enthält. Auch wenn Hersteller synthetisches Taurin zusetzen: Die Versorgung über hochwertiges Nassfutter mit natürlichem Taurin aus Fleisch und Innereien ist die zuverlässigere Lösung. Mehr dazu in meinem Artikel 6 Gründe warum Trockenfutter für Katzen ungesund ist.
Vorsicht bei Hundefutter: Hundefutter enthält deutlich weniger Taurin als Katzenfutter – Hunde können Taurin besser selbst herstellen. Katzen die regelmäßig Hundefutter fressen, riskieren einen ernsthaften Taurinmangel. Warum Hundefutter für Katzen generell keine gute Idee ist, erkläre ich ausführlich hier: Dürfen Katzen Hundefutter fressen?
Selbstgekochtes oder veganes Futter: Wer seiner Katze selbst zubereitete Mahlzeiten gibt, muss den Tauringehalt sorgfältig kalkulieren oder Taurin separat supplementieren. Bei veganer Ernährung ist eine Supplementierung zwingend notwendig – Taurin kommt in Pflanzen nicht vor. Weitere Infos zur richtigen Katzenernährung findest du in meinem Ratgeber.
Taurin als Nahrungsergänzung – wann ist das sinnvoll?
Bei einer gesunden Katze die hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleischanteil bekommt, ist eine zusätzliche Taurin-Supplementierung in der Regel nicht notwendig.
Wann Supplementierung sinnvoll sein kann:
- BARF-Fütterung ohne kalkulierten Tauringehalt
- Katzen mit diagnostiziertem Taurinmangel (nach Rücksprache mit dem Tierarzt)
Zur Überdosierung: Eine Überdosierung mit Taurin ist bei den üblichen Mengen unwahrscheinlich – Taurin ist wasserlöslich und wird vom Körper bei Überschuss einfach ausgeschieden. Trotzdem gilt: Supplementierung immer mit dem Tierarzt absprechen, besonders wenn bereits gesundheitliche Probleme bestehen.
Zur Supplementierungsform: Reines Taurinpulver (mind. 99 % rein, ohne Zusätze) ist die unkomplizierteste Option – in lauwarmem Wasser auflösen und über das Futter geben. Von Tabletten mit Füllstoffen würde ich absehen. Wer supplementieren möchte: ANIfit bietet reines Taurinpulver* ohne Zusätze – einfach über das Futter geben.
Fazit
Taurin ist für Katzen unverzichtbar – und anders als bei den meisten Nährstoffen können sie es nicht selbst herstellen. Die beste Versorgung läuft über hochwertiges Nassfutter mit hohem Fleisch- und Innereienanteil. Trockenfutter, Hundefutter oder pflanzliche Kost sind schlechte Taurinquellen. Wer darauf achtet, muss sich um den Taurinbedarf seiner Katze in der Regel keine Sorgen machen.
Welche Futter in meinem Test bei Taurin und Deklaration überzeugt haben: Zum Katzenfutter-Test →
FAQ – Häufig gestellte Fragen
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Bildquellen:
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Meine bekommen ca. 500 – 600 mg Taurin pro Tag vermischt mit einem SchleckSnack.